Blaue Berge 1938 – 1941

Badische Zeitung Sonderausstellung Blaue Berge 1938-1941” 06.9.2011Bericht: Roswitha Frey.

Nicht nur Picasso hatte eine Blaue Periode. Auch der Wiesleter Expressionist Friedrich Ludwig hatte eine Schaffensphase, in der er sich intensiv mit der Farbe Blau beschäftigte und auf der Suche nach dem “absoluten Blau” war. In dieser Zeit von 1938 bis 1941 schuf Ludwig eine Serie einzigartiger Berglandschaften in faszinierenden Blautönen.

Eine Auswahl von 20 dieser “Blauen Berge” zeigte das Friedrich Ludwig-Museum erstmals in Wieslet am Samstag und Sonntag. Nach Auskunft von Kurator Sigurd Marien kamen an diesem ersten Ausstellungswochenende nach der Sommerpause über 120 Besucher, darunter viele aus der Schweiz und Frankreich, aber auch aus dem Oberbayerischen, der zweiten Heimat des Malers Ludwig.

“Die Begeisterung der Leute hat mich richtig aufgebaut”, freute sich Marien über die große Resonanz auf Ludwigs “Blaue Berge”. Mit den herrlichen Landschaftsbildern, die der Künstler in Pleinair-Malerei, also draußen in der freien Natur gemalt hat, beleuchtet das Museum einen speziellen Aspekt im reichhaltigen Oeuvre von Ludwig.

Anlass dafür, einmal diese “blauen Bilder” ins Blickfeld zu rücken, ist das gegenwärtige Jubiläum 100 Jahre Künstlergruppe “Der Blaue Reiter”. Ludwig war als Expressionist der zweiten Generation inspiriert von der Farbe Blau. Insgesamt gibt es 50 “blaue Bilder” in seinem Werk. Aus diesem Fundus hat Marien 20 Exponate aus den Jahren 1934 bis 1945 ausgewählt, Ölgemälde, Pastelle, Aquarelle und Öl-Gouachen, die erstmals im Ludwig-Museum gezeigt wurden – integriert in die Museumsschau, teils originell auf blauen Stühlen präsentiert.

Ludwig hat diese außergewöhnlichen Berglandschaften im oberbayrischen Raum gemalt, in seiner Wahlheimat, dem Berchtesgadener Land, vor allem am Königssee, wo er im Ort Schönau lebte. Ähnlich wie der berühmte Gebirgsmaler Giovanni Segantini, den es wegen des Lichts in die Berge des Engadins zog, war die Berglandschaft in Oberbayern für Ludwig eine künstlerische Offenbarung und Inspiration.

Ausgerüstet mit Staffelei, Hocker und Malerutensilien malte das Bergpanorama um den Königssee in vielfältigsten Variationen und aus verschiedenen Perspektiven. Vor allem ging es ihm darum, die wechselnden Stimmungen des Tages und der Jahreszeiten einzufangen: Berge in Abendstimmung, Gipfel im Nebel, schneebedeckte, majestätische Gebirgslandschaften oder atmosphärische Sonnen- und Lichtstrahlen.

Besonders imposant ist ein großformatiges Ölbild in Spachteltechnik, in dem Ludwig das Bergmotiv kraftvoll, abstrahierend in den Formen und dynamisch in der Spachtelbewegung darstellt. Eher impressionistisch erscheint ein späteres Ölgemälde vom Königssee, in dem mehr die Naturstimmung im Vordergrund steht. In den anderen Bergbildern fließen sowohl impressionistische als auch expressionistische Elemente mit ein.

Ein magisches, reines Blau in feinsten Schattierungen.

Bemerkenswert ist nicht nur die malerische Qualität all dieser Bergbilder, sondern auch das magische reine Blau. In feinsten Schattierungen und Nuancen von Blautönen hat Ludwig diese Bergmotive, den See und die umliegenden Berge gemalt, in lichtem, hellem Blau, manchmal ins Violette changierend wie in dem Bild “Lila Berge”, aber auch in tieferen, dunkleren Blaunuancen. Plastisch treten die Bergformationen um den See hervor, malerisch eindrucksvoll beschwört Ludwig die Majestät der Berge und die unberührte Schönheit der Natur.

Neben den farblich anziehenden Blauen Bergen konnten die Besucher auch anderes Neues entdecken, darunter ein erstmals ausgestelltes Selbstbildnis des Malers von 1953, das ihn mit Brille zeigt. Am Sonntag gab es auch wieder eine Verlosung eines wunderschönen Ludwig-Landschaftspastells. Als glückliche Gewinnerin des Bildes freute sich Elisabeth Kilchling aus Wieslet, langjähriges KuK-Mitglied, sehr über diese Überraschung.

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14. Blaue Berge - Winterzeit / Pastell.

14. Blaue Berge – Winterzeit / Pastell

 

Der Bohemien aus Wieslet

WIESLET. Neues aus dem Leben des Wiesleter Expressionisten Friedrich Ludwig erfuhr der Kurator des Ludwig-Museums, Professor Sigurd Marien, bei Recherchen und Gesprächen mit Zeitzeugen im Berchtesgadener Land, der späteren Wahlheimat des Wiesentäler Malers.

Mehrere Tage war Kunstsammler Sigurd Marien mit seinem Sohn Julian von der “Marien Family Group” unterwegs und konnte mit elf Zeitzeugen sprechen, die Ludwig persönlich begegnet sind. Bei diesen Gesprächen kam einiges heraus, was das gängige Bild von Ludwig um einige überraschende Facetten bereichert und ihn in anderem Licht zeigt: “Es war überraschend, welchen Ruf er hat und wie bekannt er dort noch ist”, sagt Marien über die neuen Erkenntnisse, die diese Zeitzeugengespräche, Nachforschungen und Erinnerungen an den Maler hervorgebracht haben.

“Er war ein Bohemien par excellence, eine elegante Erscheinung, immer gepflegt, hochgebildet, sprach mehrere Fremdsprachen. Alle guckten auf, wenn er einen Raum betrat. Er war hochangesehen, eine anerkannte Person. Jeder kannte ihn”, berichtet Sigurd Marien. “Der Fritz”, wie man ihn nannte, verkehrte in seiner Zeit in Bayern offenbar auch in illustren, ersten Kreisen der Gesellschaft. Dies legt eine Fotografie von 1949 aus dem Gästebuch des Hotels Alpina in Schönau am Königssee nahe, die den damals 54-jährigen Friedrich Ludwig in geselliger Runde an einem Tisch mit einem Herrn mit Zigarre und einer Dame zeigt. Die Fotografie wurde Marien von Stoll’s Hotel Alpina zur Verfügung gestellt. Eine vergrößerte Kopie der Aufnahme war am vergangenen Wochenende im Ludwig-Museum ausgestellt.

Wer Ludwigs Tischnachbarn auf dieser alten, raren Fotografie sind, ist noch nicht genau geklärt. In dem exklusiven Hotel logierten zahlreiche Prominente und Stars, Schauspieler, Politiker, Wirtschaftsgrößen, Industrielle, sogar König Hussein von Jordanien. Auch Alfried Krupp war Gast in diesem Hotel. Laut Marien gibt es Hinweise und Vermutungen, dass Krupp den Maler Friedrich Ludwig als Mäzen unterstützt hat und dass Ludwig ein Porträt in Öl von Krupp gemalt hat. Offenbar gibt es dazu eine Vorskizze.

Nach den prägenden Künstlerjahren in Paris war der einstige Städelschüler nach dem Krieg ins Berchtesgadener Land gezogen, hatte dort zwischen 1945 und 1968 seinen Hauptwohnsitz, malte intensiv besonders beeindruckende Berglandschaften. In Schönau am Königssee mietete er sich bei einem Bauern ein, hatte dort auch sein Atelier. Zu der Zeit, als Ludwig dort wohnte, lebte auch die Schauspielerin Magda Schneider mit ihrer Tochter Romy, die hier ihre Kindheit verbrachte, in der Nähe im Haus Mariengrund in Schönau und verkehrte ebenfalls im Hotel Alpina. So ist nicht ausgeschlossen, dass Ludwig Magda Schneider und ihrer damals noch kleinen Tochter Romy begegnet ist und sie sogar einmal gemalt hat, so jedenfalls wird berichtet.

Was Sigurd und Julian Marien bei den Recherchen zum Vorschein brachten, soll in einer Dokumentation festgehalten werden. Stück für Stück soll sich so das Puzzle um Ludwigs schwer nachzuvollziehendes und zu dokumentierendes Leben zusammensetzen, das den unsteten “Zugvogel” Friedrich Ludwig an so viele Orte geführt hat.

Source: Badische Zeitung “Der Bohemien aus Wieslet” 11.7.2011 – Bericht: Roswitha Frey.

 

Friedrich Ludwig / Stolls Hotel Alpina / Königsee.

Friedrich Ludwig / Stolls Hotel Alpina / Königsee.

Das neue „alte“ Ludwig-Museum

Bericht: Südkurier. 29. Dezember 2010.

Nach dem überwältigenden Erfolg der Wiedereröffnung mit 200 Besuchern bemüht sich Kurator Sigurd Marien, das neue „alte“ Friedrich-Ludwig-Museum in Wieslet (Kleines Wiesental) durch Aktionen zu beleben und mit Themenausstellungen international auf den Kurs zu bringen. Alle vier bis sechs Wochen will der Museumskurator die Dauerausstellung partiell verändern.
Als Vorgeschmack darauf hat er beim jüngsten „Ludwig-Wochenenden“ ein paar Gemälde aus der Sammlung der Marien Family Group (London) mitgebracht, die bisher noch nie zu sehen waren. Darunter eine kubistische Hafenszene, eine Kirchenansicht, ein Porträt und ein Gemälde aus der visionären Werkphase des Malers. Einen zusätzlichen Anreiz für Besucher und gezielte Sammler bildet die Kommissions-Galerie, in der es kleinformatigere Arbeiten Ludwigs aus dem Besitz eines Münchner Sammlers zu sehen gibt.

Das Interesse des Kunstpublikums an diesem privat geführten Museum, das die Wiederentdeckung des vergessenen Wiesleter Expressionisten der zweiten Generation feiert, hat nicht nachgelassen. Manche Besucher halten sich stundenlang im Museum auf, sitzen bewundernd vor einzelnen Bildern und zeigen sich sehr interessiert an der Geschichte und dem Schicksal des Malers. In einem Vortrag gab Ludwig-Entdecker Marien Ausblick auf die Planung des Ausstellungsjahres 2011 und stellte die thematische Ausrichtung vor.
Schwerpunkt bleibt Friedrich Ludwig (1895-1970), dessen Leben und Werk in Themenschauen chronologisch aufgearbeitet werden soll. Es beginnt mit den frühen Jahren, der Paris Zeit mit Genreszenen von Cafés und der Seine, setzt sich fort mit den Reisen Ludwigs, den Kriegsjahren und dem Kapitel „Entartete Kunst“. Auch der „Badenweiler Kreis“, ein Zirkel von prominenten Gleichgesinnten wie Thomas Mann und Rene Schickele, dem sich der Künstler anschloss, soll dokumentiert werden. Natur und Landschaft sind weitere Themen … .

Rauschender-Bach

 

Spurensuche in Amsterdam 1937

Nicht von ungefähr hat man einen ähnlichen Ausstellungstitel gewählt wie die Pinakothek der Moderne in München, die um die Jahreswende “Max Beckmann – Exil in Amsterdam 1937″ zeigte. Wie hängt nun der große deutsche Expressionist Beckmann mit dem Wiesleter “Ludwig-Moler” zusammen? Beide Künstler hielten sich zeitgleich im Exil in Amsterdam auf. Die Ausstellungsmacher der KUK haben neben zeitlichen und räumlichen auch stilistische Parallelen und verblüffende Ähnlichkeiten in der Biografie und im Werk beider Künstler entdeckt. “Beckmann und Ludwig müssen sich über den Weg gelaufen sein”, ist sich der Kunstsammler und Kurator, Sigurd Marien, sicher. Zum einen gibt es Berührungspunkte in den späten 20er Jahren an der Städel-Kunstakademie in Frankfurt, wo Beckmann unterrichtete und Friedrich Ludwig studierte, zum anderen waren beide Künstler auch in Paris. Aber ob sie sich wirklich gekannt haben, dafür gibt es keinen Beweis.

Indes gibt es durchaus Vermutungen und Indizien, die dafür sprechen. Auch bei zwei Gemälden finden neue Zuschreibungen statt. So soll das von Ludwig gemalte ausdrucksstarke Porträt “Sitzender” – ein Prunkstück der Museumssammlung in einem üppigen Goldrahmen – den berühmten Maler Max Beckmann darstellen. Recherchen zufolge könnte es sich außerdem bei dem Frauenporträt “Die rote Kappe” von 1928 um ein Bildnis von Beckmanns zweiter Frau Quappi handeln – was kunsthistorisch schon eine kleine Sensation wäre (Anmerkung: weitere Recherchen werden vom Friedrich Ludwig Museum unternommen). Neben diesen Bildern, die Blickfang im so genannten “Beckmann-Raum” sind, sieht man in zwei neu gestalteten Räumen viele schöne Amsterdamer Hafen-Impressionen und Pariser Szenen von Friedrich Ludwig, die stilistisch, thematisch und von den malerischen Sujets her durchaus Querbezüge zu Beckmanns Oeuvre aufweisen. Parallelitäten lassen sich auch ausmachen in den so genannten “Vorgesichtern”, denn solche alptraumhafte Gesichter und Gestalten gibt es ebenso bei Beckmann wie bei Ludwig. In dessen Gemälden erscheinen die fratzen- und maskenhaften Erscheinungen verfremdet in Bäumen, Gebäuden und Blumensträußen.

Bericht: Jürgen Scharf
“Friedrich Ludwig – Exil in Amsterdam 1937″
Ludwig-Museum Wieslet bis Juli. Sonntag 14-17 Uhr.

Diese Ausstellung ist noch nicht Online auf der Museums-Webseite verfügbar.

 

Exil in Amsterdam / Juni 1937.

Exil in Amsterdam / Juni 1937.

Zeugnisse eines Zugvogels

Hinreißende Akte, Stillleben, Straßenszenen und Porträts In der neuen Sonderausstellung im Museum wird der Lebensweg Ludwigs nachempfunden, vor allem seine Zeit in Paris und Amsterdam in den 20er- und 30er-Jahren, die zur stärksten Schaffensperiode des Malers gehören. Im Paris-Raum begegnen einem hinreißende Akte, Stillleben, Straßenszenen und Porträts, in denen noch der Einfluss der damaligen französischen Malerei, ein Nachklang des Impressionismus zu spüren ist. Die Sicherheit und Spontaneität des Strichs, mit der Ludwig die liegenden, sitzenden oder stehenden weiblichen Körper erfasst hat, ist ebenso bestechend wie die fließende Leichtigkeit im Pinselduktus und das verhaltene Kolorit in den Sujets eines Pariser Straßencafés oder eines Dampfers auf der Seine. Wunderbar auch die beiden Stillleben mit Tasse und Fisch oder der fast ganz aufgelöste Frauenakt. Welch meisterhafter Porträtist Ludwig war, verraten seine anmutigen und farblich anziehenden Frauenbildnisse.


Ein Raum der Ludwig-Schau richtet den Fokus auf das “Exil in Amsterdam 1937″ . Der als unsteter “Zugvogel” bekannte Maler wechselte zwischen Paris, Düsseldorf, Amsterdam und anderen Orten und hielt sich gerade Mitte und Ende der 30er-Jahre öfter in der Grachtenstadt auf, wo sich damals viele Künstler auf der Flucht vor dem Nazi-Regime im Exil trafen. Aus dieser Amsterdamer Zeit sind sehr beeindruckende Gemälde zu sehen: Eindrücke vom Hafen, von Schiffen, vom Quai, von Schwänen und Segelbooten auf der Amstel oder von einer holländischen Landschaft. Ludwigs Stil hat sich hier im Vergleich zu den frühen Pariser Jahren verändert, wirkt kraftvoll, auch in der Farbe zunehmend expressiver, doch immer noch sind die französischen Vorbilder erkennbar. Neben diesen sehr plastisch gemalten Impressionen gibt es auch eine Rarität zu bewundern: einen Litho-Handdruck von Schiffen am Hafen, dessen tiefe Schwärze den Blick des Betrachters hinein zieht in die Hafenszenerie. Eindrücklich auch das Porträt eines Mannes mit ausgemergeltem, ausgezehrtem Gesicht. 

Im so genannten “Beckmann-Raum” versucht die Schau Verbindungen zwischen Ludwig und dem berühmten Maler Max Beckmann aufzuzeigen. Sammler Sigurd Marien hat die Lebensstationen, Bilder und Sujets der beiden Maler verglichen, fand erstaunliche Parallelen und Ähnlichkeiten und kommt zu dem Schluss, dass sie sich wohl gekannt haben. Ihre Wege könnten sich gekreuzt haben, sei es in den 20er-Jahren an der Städel-Kunstakademie in Frankfurt, wo Ludwig studierte und Beckmann Lehrer war, oder in Paris und Amsterdam, wo sich Ludwig und Beckmann nach Mariens Spurensuche zeitgleich aufhielten. 

Belegen lässt sich die Bekanntschaft mit Max Beckmann nicht.

Belegen lässt sich die Bekanntschaft allerdings nicht, da keine Briefe, Schriftwechsel oder Lebensläufe im Nachlass von Ludwig gefunden wurden. Die Schau lässt die Bilder sprechen, etwa Ludwigs Porträt “Sitzende” , eines seiner Hauptwerke, oder das Bildnis der Frau mit roter Kappe, das nach Vermutungen von Kunstkennern Beckmanns Frau “Quappi” darstellen soll. Zum Vergleich wird auf Porträts aus dem Katalog der großen Münchner Ausstellung “Max Beckmann — Exil in Amsterdam 1937″ verwiesen. 

Der mittlere Museumsraum versammelt die visionären späteren Gemälde Ludwigs, in denen Gesichter oft gespenstisch und maskenhaft in Bäumen, Kirchtürmen, Häusern oder aus Blumensträußen auftauchen. Menschen werden Teil der Natur, wie in der weiblichen Figur, die mit einem Baum verwachsen ist. In diesen rätselhaften, pastosen, farbintensiven Bildern erscheinen die (Alb-)Traumgesichter wie aus dem Unbewussten, aus einer verborgenen Welt. 


Die Ausstellung dauert bis 30. März 2008, geöffnet immer sonntags 14 – 17 Uhr. 

Autorin & Foto: Roswitha Frey

Der Sitzende ist wieder da!

Dezember 2007:
Es gibt ein neues Ludwig-Märchen: das vom Weggang und von der glücklichen Rückkehr eines Bildes. In der neuen Sonderausstellung „Friedrich Ludwig – Exil in Amsterdam 1937″ im Ludwig-Museum hängt seit vergangenem Freitag wieder das wunderschöne Gemälde „Sitzende(r)”, ein Hauptwerk im Museumsbestand.

Der Kunstkurator der Ludwig-Sammlung, Sigurd Marien, hat mit der Unterstützung der Marien Family Group das Porträt, das nach neuesten Vermutungen vielleicht den berühmten Maler Max Beckmann darstellen könnte und vor zwei Jahren in einem Auktionshaus versteigert wurde, von einem privaten Sammler zurückgekauft. Zur großen Freude von Hans Viardot von der Initiative Kunst und Kultur Kleines Wiesental (KUK) hängt es jetzt wieder an seinem Platz im Museum – ein Prunkstück, neu gerahmt mit Passepartout und einem üppigen Goldrahmen.

Das Bild ist der Blickfang im so genannten „Beckmann-Raum”, ein Raum, der nach dem großen Expressionisten benannt wurde, weil die Ausstellungsmacher zeitliche, räumliche und stilistische Parallelen in der Biografie und im Werk beider Künstler entdeckt haben. „Sie müssen sich über den Weg gelaufen sein”, ist sich Marien sicher.

Im so genannten “Beckmann-Raum” versucht die Schau Verbindungen zwischen Ludwig und dem berühmten Maler Max Beckmann aufzuzeigen. Sammler Sigurd Marien hat die Lebensstationen, Bilder und Sujets der beiden Maler verglichen, fand erstaunliche Parallelen und Ähnlichkeiten und kommt zu dem Schluss, dass sie sich wohl gekannt haben. Ihre Wege könnten sich gekreuzt haben, sei es in den 20er-Jahren an der Städel-Kunstakademie in Frankfurt, wo Ludwig studierte und Beckmann Lehrer war, oder in Paris und Amsterdam, wo sich Ludwig und Beckmann nach Mariens Spurensuche zeitgleich aufhielten.

Zum einen gibt es Berührungspunkte in den späten 20er Jahren an der Städel-Kunstakademie in Frankfurt, wo Beckmann unterrichtete und Friedrich studierte, zum anderen in Paris und im Amsterdamer Exil. Dieser Zeit sind zwei neu gestaltete Räume mit vielen schönen Amsterdamer Hafen-Impressionen und Pariser Szenen gewidmet.

Zwischen Beckmann und Friedrich gibt es auch überraschende und verblüffende Ähnlichkeiten in den malerischen Sujets, worauf Marien in seinem Vortrag bei der Eröffnung in der Wiesleter Dorfkirche einging. So erhält das bisher als „Die rote Kappe” bezeichnete Bild von 1928 eine neue Zuschreibung: Es soll Beckmanns zweite Frau Quappi darstellen. Ob es noch mehr Indizien für eine Bekanntschaft der beiden Maler gibt, ist schwer zu sagen, zumal Beckmanns Tagebücher verbrannten und aus dem Ludwig-Nachlass nichts an Briefen und Schriftwechseln existiert.

Zum Glück gibt es noch einen der letzten Zeitzeugen, Altratschreiber Hans Meier aus Weitenau, der als Kind Ludwig und dessen erste Frau kannte. Meier erinnert sich noch gut an seinen Großonkel Fritz, der ihn als 17-Jährigen gezeichnet hat, und konnte einiges über ihn erzählen. Er sei immer stolz gewesen, in der Verwandtschaft einen Kunstmaler zu haben.

Source: Badische Zeitung vom 10. 12. 2007 / Autorin & Foto: Roswitha Frey

Friedrich-Ludwig-Der-Sitzende-1928

Friedrich-Ludwig-Der-Sitzende-1928